Künstlerinnen im Museum Ludwig

Eine große Kunstsammlung wie die des Museum Ludwig lädt dazu ein sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Noch immer nehmen wir dabei häufig den Blick durch die Brille des Sammlerehepaars Peter und Irene Ludwig ein, die den Großteil der Werke ankauften und der Stadt Köln schenkten. Hätten die Zwei andere Kunstvorlieben gehabt würden auch andere Werke im Museum gezeigt werden. Beim Gang durch die Säle bieten sich Führungen zu den Sammlungsschwerpunkten (Pop Art, Russische Avantgarde, Picasso, Expressionismus, Gegenwartskunst etc.), Überblicksführungen und Spezialthemen an.

Bei allen Routen fällt allerdings auf: die Frauen sind deutlich unterrepräsentiert. Ganz klar hängt dies damit zusammen, dass ihnen bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert der Zugang zu den öffentlichen Akademien verwehrt war, dass ihnen die „hohe“ Kunst nicht zugetraut wurde, man sie eher ins hauswirtschaftlich-kunstgewerbliche Abteil sortierte und sie schlichtweg nicht die gleichen Voraussetzungen und Rechte wie die Männer besaßen. Dementsprechend steigt die Anzahl der Künstlerinnen je mehr man sich zeitlich der Gegenwartskunst nähert und die Gleichberechtigung der Geschlechter voranschreitet.

Bildergebnis für Selbstbildnis Modersohn-Becker vor blaugrauem Grund
Paula Modersohn-Becker: Selbstbildnis vor blaugrauem Grund, 1906

Beim Führungsthema „Künstlerinnen im Museum Ludwig“ erfährt man, was die Damen inspirierte, mit was sie zu kämpfen hatten und welche Ziele sie verfolgten. Lee Krasner zum Beispiel unterstützte ihren Mann Jackson Pollock und stand mit ihrer eigenen Kunst für ihn zurück, Eva Hesse wagte sich als Pionierin an ungewöhnliche Materialkombinationen, Natalija Gontscharowa malte die Nixe Rusalka als Akt, was zur damaligen Zeit skandalös war und Rosemarie Trockels riesige Strickbilder ironisierten die althergebrachte Vorstellung von „Frauenkunst“.

Zur großen Jubiläumsausstellung 2017 waren die Guerilla Girls eingeladen, eine feministische Künstlerinnengruppe, die seit 1985 darauf aufmerksam macht, dass Werke von Frauen und „Artist of Color“ in Museen und Galerien erheblich unterrepräsentiert sind. 2017 waren nur 11% der Künstler*innen im Museum Ludwig weiblich und Einzelausstellungen von Künstlerinnen beliefen sich seit 1989 auf einen Anteil von lediglich 20%.

Suzanne Valadon: Frauenbildnis 1929

Doch der Umbruch hat begonnen: in der Abteilung der Gegenwartskunst sieht man unter anderen Werke von Künstlerinnen wie Alexandra Bircken, Cady Noland, Lubaina Himid, Carrie Mae Weems, Ayşe Erkmen und Zoe Leonard. Dieses Jahr wurde ein Werk anlässlich der großen Schau von Gabriele Münter angekauft, die türkische Künstlerin Nil Yalter war mit ihrer ersten großen Retrospektive im Museum Ludwig vertreten und die brasilianische Künstlerin Jac Leirner nahm am 9. April glücklich den Wolfgang-Hahn-Preis im Museum Ludwig entgegen. Und Avery Singer (* 1987, jüngster weiblicher Star im Ludwig) schuf ein über 17 Meter langes Werk für das Museum.

Fazit: Dranbleiben ist angesagt.

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