Paris erwacht!

Hittorfs Erfindung der Place de la Concorde

ist der Titel der aktuellen Sonderausstellung im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, die dort vom 07. April bis zum 09. Juli 2017 zu sehen ist.

Erneut bietet damit eine spannende Sonderausstellung einen Anreiz für einen Besuch im Museum.

Mit Paris erwacht! – Hittorffs Erfindung der Place de la Concorde küsst das Kölner Museum den Platz der Eintracht nach knapp 200 Jahren wieder wach. Die Besucher reisen in eine Zeit, als sich Paris auch Dank der klugen architektonischen Planung von Hittorff als europäische Metropole erfindet und zwar in harter Konkurrenz zu Rom, London, Madrid und Wien. Die Sonderschau mit mehr als hundert detailverliebten Originalentwürfen von Hittorff ist auch eine gefühlvolle Hommage an einen Kölner Künstler, der in Frankreich zum Star wurde.

Der Platz sah das Wüten der französischen Revolution, überstand die Wirren zweier Weltkriege, erlebte Massenjubel, Volkstrauer, Staatsfeierlichkeiten und steht damit wie kein zweiter öffentlicher Ort für die bewegte Geschichte einer ganzen Nation. (…) Doch nur wenige wissen, dass es ein junger deutscher Architekt war, der diesen Platz Anfang des 19. Jahrhunderts in ein urbanes Juwel verwandelte.

Eine diesem Wandel zugrundeliegende und in der Ausstellung präsentierte architektonische Zeichnung von Jakob Ignaz Hittorff (1792-1867), nehmen wir nun zum Anlass für eine neue Schreibanregung (die wir hier in regelmäßigen Abständen anbieten). Vielleicht beleben die folgenden Impulse Ihre Lust am Schreiben und Sie veröffentlichen Ihren Text anschließend in der Rubrik „Kommentar“. Und nun lade ich Sie ein, finden Sie Ihren Stoff, indem Sie einfach meiner Anregung folgen:

Stellen Sie sich einen Timer (Mobiltelefon, Wecker) auf 5 Minuten. Bereit? Betrachten Sie die Abbildung der Zeichnung insgesamt fünf Minuten lang aufmerksam.

Paris_Teaser_alt-2

Was können Sie nun aufgreifen? Welche Bilder oder Gedanken sind angestoßen worden?

  • ein Objekt/ ein Gegenstand
  • historische Fakten
  • persönliche Erinnerungen
  • besondere Emotionen
  • Gedankenfetzen und Assoziationen
  • eine Geschichte, ein Erlebnis

Bitte gestalten Sie Ihren Text so, dass Sie nachfolgenden Satzanfang mehrfach im Text verwenden und zwar so, dass nach einigen Zwischenzeilen die Worte Der Platz sah… erneut eingebaut wird.

Viel Vergnügen mit Ihrem Text „Paris erwacht „.

Stellen Sie dafür den Timer erneut, jetzt auf 15 Minuten. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Blitzlichter und knappe Kurzgeschichten. Gedankenströme und Momentaufnahmen sind besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Zu langes Nachdenken behindert das spontane Hinschreiben; fangen Sie an, folgen Sie den ersten Impulsen (Perfektion aufgeben), überlassen Sie sich dem eigenen Ausdruck!

Und noch ein Tipp: Sich zu wiederholen ist oft ein hilfreiches Mittel, immer wieder in den Schreibfluss zu kommen. Wenn der Schreibfluss stockt, dann schreiben Sie einfach auf, was da gerade geschieht, was „jetzt“ passiert, z.B.: es stockt, kein Gedanke stellt sich ein. Meistens geht es dann wieder.

Ihre

Susanne Kieselstein

 

Ein Kommentar

  1. Paris erwacht

    Paris erwacht in den frühen Morgenstunden. Man kann den lauten Müllwagen hören. Auch der Mann wird davon geweckt. Neben seinem Hotel liegt der Place de la Concorde. Schön zentral, gut geeignet, die Stadt zu erkunden, hatte die Frau im Reisebüro gesagt. Er weiß noch wenig über diesen Ort, an dem er nun einige Tage verbringen wird. Zuhause hatte er die Fotografien betrachtet, in einem Reisejournal über Paris. Dort gab es auch Informationen zu seinem Hotel: Ruhig ist es nicht gerade, aber am Abend legt sich auch dort der Verkehr. Das hatte ihm zugesagt und er buchte „Paris für Entdecker“. Er will endlich die Stadt der Liebe kennenlernen, einmal vom Montmartre blicken, vom Boot aus die Liebespaare am Seineufer fotografieren. Vielleicht reicht die Zeit auch für einen Besuch im Louvre, die Mona Lisa. Wenn nicht zu lange Warteschlangen davor stünden.

    Er wollte sich richtig vorbereiten, sich der Geschichte von Paris annähern und nicht völlig unwissend reisen. Jetzt ist er da. Ihm schaudert ein wenig, als er auf den Platz de la Concorde tritt. Er hat in den Reiseführern davon gelesen, von dem blutigen Grauen, das sich hier vor nur 3-4 Generationen ereignet hat. Als der gewaltige Umsturz eine neue Gesellschaftsordnung gewaltsam ausbreitete im Jahr 1789. Mitglieder des alten Systems wurden auf brutale Weise ermordetet, hier genau an der Stelle, fast jedenfalls, wo er jetzt steht. Selten hat es den einfachen Bürger getroffen, die meisten konnten den Platz wahrscheinlich unbeschadet passieren, so wie er den Platz heute gefahrlos überqueren kann.

    Und doch, ihn verfolgt ein mulmiges Gefühl. Unsicherheit beschleicht ihn, hier auf dieser freien Fläche. Er fühlt sich dem quirligen Treiben ungeschützt ausgesetzt. Wenn er hier so über den Platz läuft, kommt er sich vor wie eine Zielscheibe, angreifbar und verletzlich. Etwas beunruhigt ihn. Und dann ist sie da, die Erinnerung. Bilder aus den Medienberichten tauchen in seiner Erinnerung auf. Bilder von dem blutigen Grauen, das nur zwei Jahre zurückliegt. Das Grauen hat einen Namen. Er kann ihn nicht aussprechen. Er ist abergläubisch. Er weiß, es waren insgesamt sechs furchtbar aggressive Angriffe und Attacken, bei denen 130 Menschen umgebracht worden sind. Seine Schritte werden eiliger, er verlässt den Platz. Er will das nicht, er will einfach nur weg.

    Er möchte sich nicht vorstellen, wie groß und unermesslich das Leid für die Betroffenen selbst war und das ihrer vielen Angehörigen.
    Er will Paris für Entdecker. Er will einen schönen Morgen in der Stadt der Liebe. Er möchte ein Frühstück mit einem Café au lait und Croissants.

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