WARHOLMANIA

Sonderausstellungen im Museum Ludwig werfen ihre Schatten voraus. Besonders, wenn es sich um so große Sonderausstellungen wie die Andy Warhol Now Schau handelt. Bei solchen Blockbustern benötigt das Team zusätzliche Unterstützung. Helena Kuhlmann ist seit anderthalb Jahren dabei. Ich habe sie zum lunch getroffen, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.

Helena beim Karneval 2019, natürlich verkleidet als Warhol himself.

Angelika (A): Was genau ist Dein Job, Helena?

Helena (H): Ich unterstütze die Kuratoren Yilmaz Dziewior und Stephan Diederich bei der Vorbereitung der Ausstellung Andy Warhol Now. Ich assistiere und bin überall mit drin, das reicht von Werklisten pflegen, über Korrespondenz mit den Leihgeber*innen, Recherchearbeiten zu verschiedenen Themenbereichen und beinhaltete in der Endphase auch inhaltlich Dinge aufzubereiten wie eine Timeline für die Wand oder ein Begleitheft. Ich bin an ganz unterschiedlichen Baustellen beteiligt.

A: Das klingt sehr abwechslungsreich und auch sehr anspruchsvoll. Was hat Dir bisher besonders gut an Deiner Arbeit gefallen?

H: Besonders gut gefallen hat mir die intensive Auseinandersetzung mit einem Künstler, der unglaublich viel zu bieten hat und mit dem es auch nie langweilig wird. Immer wieder bin ich in verschiedene Bereiche seines Lebens und Werkes tief eingetaucht, dafür gab es zum Glück ausgiebig Zeit. Kurz vor dem Ende des Aufbaus dann die ganzen Originalwerke zu sehen, die angeliefert wurden, das war der absolute Höhepunkt.

A: Das verstehe ich, nach so einer langen Vorbereitungsphase dann endlich die Originale zu sehen ist großartig. Gab es denn auch Phasen während Deiner Arbeit, die Du als besonders anstrengend, als „Durststrecke“ empfunden hast?

H: Die letzten Monate waren eine spezielle Zeit, durch Corona war das etwas anders als es normalerweise sein sollte. Die Ausstellung wurde verschoben und als ich für mehrere Monate im Home-Office war, habe ich es vermisst, mich mit den Kolleg*innen auszutauschen und mitzubekommen, was eigentlich alles passiert. Man hat vor sich hingearbeitet und war gefühlt ein bisschen „im Kämmerchen“ gefangen.

A: Das kann ich gut nachvollziehen. Home-Office ist eine gewöhnungsbedürftige Arbeitssituation, gerade wenn man es ansonsten im Team arbeitet.

H: Ja, das wichtigste an der Ausstellung ist die Zusammenarbeit Aller, sonst kommt die Ausstellung nicht zustande. Es ist befremdlich, wenn diese Zusammenarbeit dann eingeschränkt wird.

Warhol liebte das Telefon….

A: Noch eine Frage zu Deiner inhaltlichen Auseinandersetzung mit Warhol: Gibt es eine Seite an ihm, die Dich fasziniert?

H: Das ist keine leichte Frage. Es gibt sehr viele Aspekte, die mich an ihm faszinieren. Und ganz viele Dinge, die mich überrascht haben, weil ich vorher auch keine Warhol-Spezialistin war. Besonders faszinierend finde ich seine Widersprüche und seine Gegensätze. Das hat für mich etwas sehr Lebensnahes, da das Leben auch nicht immer einfach oder eindeutig ist. Das gefällt mir auch an Warhol und an seiner Kunst. Zum Beispiel ist er einerseits eine Person, die viel mit sich gehadert hat, die viele Unsicherheiten hatte. Andererseits war er total klar und pointiert und brachte die Dinge auf den Punkt. Das Menschliche fasziniert mich an ihm, gerade, weil man sonst häufig eine unterkühlte Person vor Augen hat, wenn man an Warhol denkt. Er weiß, dass die Welt nicht schwarz oder weiß ist und das spiegelt auch sein queeres Lebensgefühl wider.

Oft liest man in der kunsthistorischen Literatur „er ist ein Maler und kein Konzeptkünstler“ – wenn man die Bilder auspackt, dann spürt man das ganz deutlich. Die Bilder transportieren das visuell, sie bringen seine Themen und Anliegen unglaublich gut und ausdrucksstark rüber, auch in den verschiedenen Techniken.

A: Der Person Warhol selbst werden diverse Macken nachgesagt, die sich wie Mythen um ihn ranken. Zum Beispiel hat er angeblich über 130 Perücken besessen, Süßigkeiten in rauen Mengen vertilgt und er ging fast schon zwanghaft jede Nacht feiern, was er selbst als „soziale Krankheit“ bezeichnete. Gibt es einen Spleen, den Du besonders skurril findest?

H: Ja, auch hier ist es seine Widersprüchlichkeit: Warhol, der einerseits einen ganz klaren Blick auf die Welt und die Gesellschaft hat und andererseits total abergläubisch ist. Zum Teil hat er auch noch als erwachsener Mann an Ammenmärchen geglaubt. Um ein konkretes Beispiel zu nennen – er hat sich von Quacksalbern Kristalle verkaufen lassen, die er am Körper getragen hat oder die er nicht weiter als in 1,5m Entfernung von seinem Körper aufbewahren musste. Ärzte hat er aber gleichzeitig gemieden.

A: Das ist echt ein bisschen schräg, wenn man so unterschiedliche Facetten in sich vereint. Nun zur letzten Frage: Wenn Warhol heute noch leben würde, gibt es etwas, was Du ihn gern fragen würdest?

.. .und aß sehr gern Tomatensuppe.

H: Hm. Da muss man sich ja eine Sache aussuchen…das ist schwierig! Da gibt es Vieles, da sich seine Themen in der heutigen Zeit fortsetzen. Und gleichzeitig würde ich auch gern mehr über ihn selbst erfahren, da er in vielerlei Hinsicht ein großes Geheimnis aus sich gemacht hat.

A: Okay, wahrscheinlich reicht eine Frage nicht. Besser man hätte die Möglichkeit, länger mit Warhol gemeinsam zu philosophieren. Erfassen wird man ihn aber wohl niemals.

H: Was eine Frage wäre, wenn ich mich beschränken müsste, wäre, wie, wann und warum  Warhol beschlossen hat Künstler zu werden. Darüber habe ich während meiner Recherche noch nicht genug erfahren.

A: Das wäre sehr interessant zu wissen, wenn er es denn ehrlich verraten würde.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fazit: Warhol ist und bleibt ein echter Eyecatcher. Die Ausstellung ist bis zum 18.4.2021 zu sehen, sobald die Museen wieder öffnen.

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