museenkoeln IN DER BOX: Erster Teil der Pilotphase erfolgreich abgeschlossen

Der Museumsdienst Köln setzt sich aktiv für die Teilhabe aller Bürger*innen am kulturellen Leben der Stadt Köln ein. Die meisten Museen der Stadt drängen sich in einem relativ kleinen Radius auf der linken Rheinseite – für viele Menschen aus den Kölner Randgebieten eine große soziale und finanzielle Hürde. Um auch den Kölner*innen in den weiter entfernten Stadtvierteln das Kulturerlebnis Museum zu ermöglichen, geht der Museumsdienst der Stadt Köln seit dem 01. Mai 2019 bewusst den umgekehrten Weg. Mit dem Projekt IN DER BOX bringen die Museumspädagog*innen das Museum kostenfrei in die Veedel. Im Sinne einer aufsuchenden Kulturarbeit richtet sich das Angebot zunächst an Menschen mit wenig Museumserfahrung. Als erste Kooperationspartner standen dem Museumsdienst Schulen und Kitas im Sozialraumgebiet Höhenberg/Vingst zur Seite.

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Museum zum Anfassen: Alltagsobjekte in der Museumswohnung in Höhenberg ( Foto: N. Stabusch , Museumsdienst Köln)

Für jeweils einen Nachmittag verwandelten sich etwa das Bürgerzentrum Vingst oder die Seminarräume der Museumswohnung Höhenberg in kreative Außenstellen der Kölner Museen, rund um das Thema „Zusammen Wohnen“. Bepackt mit Fotos, Repliken und ausgewählten Originalobjekten, stellen die Mitarbeiter*innen des Museumsdienstes lediglich die museale Hardware zur Verfügung. Alle weiteren Inhalte werden gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeitet. Die mitgebrachten Objekte stammen aus den Sammlungen der Kölner Museen, oder wurden für das Projekt erworben und stehen jeweils für die verschiedenen Facetten des Zusammenlebens in einer bunten Stadtgesellschaft. Das Projekt beinhaltet zurzeit vier Themenschwerpunkte mit jeweils verschiedenen Workshop-Elementen:

Die Schüler*innen der GGS Weimarer Straße etwa widmeten sich den eigenen Vier Wänden. Gemeinsam mit den Museumspädagog*innen untersuchten die Kinder, wie sich das Zuhause der Kölner*innen in den letzten Jahrhunderten verändert hat. Zu Beginn wurden gemeinsam geheimnisvolle „Mystery-Boxen“ ausgepackt. Die darin enthaltenen Objekte durften von jedem Kind ausgiebig untersucht und ausnahmsweise auch in die Hand genommen werden. Neben Alltagsgegenständen aus der Römerzeit und dem Mittelalter fanden sich auch einige nicht ganz so alte Dinge. Zum Beispiel eine Wärmflasche, die einigen der anwesenden Eltern noch in lebhafter Erinnerung aus ihrer eigenen Kindheit geblieben ist. Doch auch einige Nachbildungen, wie etwa Öllampen und Krüge aus der Antike kannten die Kinder aus ihren eigenen vier Wänden. Zusammen mit den Mitarbeiter*innen des Museumsdienstes lernten sie, welche Fragen „echte“ Wissenschaftler*innen an historische Objekte stellen, um ihre ursprüngliche Bedeutung herauszufinden: Aus welchem Material ist das Objekt? Wie aufwendig war die Herstellung? Finden sich Gebrauchsspuren? Im zweiten Teil des Workshops bekamen alle Teilnehmenden die Möglichkeit, selbst zu Innenarchitekt*innen ihrer eigenen vier Wände zu werden. In einer „Möbelwerkstatt“ wurden gemeinsam Möbelstücke für die ganze Familie entworfen und gebastelt. Die kreativen Endergebnisse ergaben fast schon eine komplette Wohnungseinrichtung.

Ähnlich kreativ gestaltete sich auch der Workshop im Vingster-Treff. Unter der Anleitung des Kölner Designers Michael Winter bauten die Teilnehmer*innen den Berliner Hocker. Dieser entstammt einer Idee des deutsch-laotischen Architekten Van-Bo-Le-Mentzel. Der Hocker ist ein wahres Improvisationstalent – Er lässt sich als Hocker, Stuhl, Sessel und Bücherregal verwenden; ist Sitzgelegenheit und Ablagefläche zugleich. Van-Bo-Le-Mentzel will mit seinen Ideen zeigen, dass qualitativ hochwertige Wohnungseinrichtung nicht zwangsläufig teuer sein muss. Seine Entwürfe gibt es in keinem Geschäft zu kaufen. Sie sollen zum Selbermachen anregen. Die Baupläne sind frei im Netz verfügbar. Alles was man braucht sind „10 Euro, 10 Schrauben und 10 Minuten Zeit.“ Die simple Konstruktionsweise der Hocker und die detaillierte Bauanleitung sorgten bei allen Teilnehmenden für schnelle Erfolgserlebnisse. Die fertigen Hocker konnten im Anschluss noch mit Acrylfarbe bemalt werden um anschließend in der Sonne trocknend auf ihre Bestimmungen als Kinderhocker, Nachttisch oder Bücherregal zu warten. Jeder von ihnen ein Unikat.

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Teilnehmer*innen der Möbelwerkstatt (Bild: J. Müller, Museumsdienst Köln)

Insgesamt nahmen 8 verschiedene Gruppen an den ersten Workshops teil. Darunter Gruppen vom HöVi-Land, der alljährlichen Ferienaktion im Sozialraum Köln Höhenberg/ Vingst.

Das Thema Zusammen Wohnen beinhaltet eine besondere Nähe und vielfältige Bezüge zur Lebenswelt der Teilnehmer*innen. museenkoeln IN DER BOX bietet die Chance, Objekte aus dem Alltagsleben an Orten des Alltagslebens zu präsentieren. Eine besondere Stärke des Projekts, die nachhaltig zur Identitätsförderung in den Kölner Sozialräumen beitragen kann. Gemeinsamkeiten der Kölner Bevölkerung und ihrer diversen Geschichte können so in der eigenen Nachbarschaft erfahren werden. Ab 2020 wird das mobile Museum sogar motorisiert: Ein Bus mit Elektroantrieb bringt die Ausstellung dann in die einzelnen Veedel. Für den zweiten Teil der Pilotphase in Finkenberg, Gremberghoven, Porz-Ost und Eil ist der Transport via ebenfalls klimaneutralem Lastenrad geplant.

Bei Fragen rund um das Projekt wenden Sie sich bitte an:
Julia Müller (Projektleitung): julia.mueller1@stadt-koeln.de

Timo Riese

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